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Was ist Aquakultur?

Aquakultur ist die kontrollierte Aufzucht und Vermehrung von im Wasser lebenden Organismen, insbesondere Fischen, Muscheln, Krebsen und Algen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es "Teichwirtschaften", "Durchlaufanlagen", "Netzgehege" und "geschlossene Kreislaufsysteme".

In den klassischen Teichwirtschaften und den Durchlaufanlagen werden hauptsächlich Karpfen, Forellen, Ostseeschnäpel und Krebse in Teichen gehalten. Beide Haltungsformen sind aus umweltrechtlicher Sicht häufig problematisch. Genehmigungen für neue Anlagen sind deswegen kaum noch möglich. Außerdem sind die Kosten oft so hoch, dass ein wirtschaftlicher Erfolg kaum zu erreichen ist.

In geschlossenen Kreislaufanlagen werden in einem weitgehend geschlossenen Wasserkreislauf, unabhängig von der Umwelt und weitgehend ohne Einfluss auf die Umwelt, Fische erzeugt. Das Wasser in einer Kreislaufanlage kann durch eine Kreislaufführung über Biofiltersysteme mehrfach genutzt werden. Die benötigte Wärmeenergie wird in einigen Anlagen durch die sonst ungenutzte Abwärme von Biogasanlagen zur Verfügung gestellt. Außerdem können dadurch Temperatur und auch Licht so gesteuert werden, dass ein ganzjähriges Wachstum möglich ist.

Auf der Website Aquakulturinfo können Sie sich über die verschiedenen Produktionssysteme genauer informieren.

Welche Strategie verfolgen die EU und das Land Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der Aquakultur?

Die Europäische Kommission möchte das Potenzial zur Erzeugung von Nahrungsmitteln unionsweit auf einer nachhaltigen Grundlage erhalten. Die Aquakultur soll mit dazu beitragen, dass eine langfristige Ernährungssicherheit besteht und gleichzeitig Beschäftigung bieten. Bis 2020 soll der Grad der Eigenversorgung mit Fisch von derzeit 35% auf 50% steigen. Bei gleichbleibenden Erträgen aus der Fischerei würde das eine Verdreifachung der jetzigen Aquakulturproduktion erfordern. (Courntey Hough – FEAP Liège, Fischmagazin 10/2014)

Das Land Mecklenburg-Vorpommern ergänzt die Fördermöglichkeiten der Europäischen Kommission mit eigenen finanziellen Mitteln. Ziel aller Bemühungen ist die Etablierung des Wirtschaftszweiges Aquakultur in Mecklenburg-Vorpommern. Dafür werden Investoren sowohl finanziell als auch beratend und organisatorisch unterstützt. In den vergangenen Jahren begann sich in Mecklenburg-Vorpommern eine vielversprechende Infrastruktur im Bereich der Aquakultur zu entwickeln - Produzenten, Verarbeiter und Forschungseinrichtungen arbeiten erfolgreich zusammen. Dieser Weg soll auch zukünftig weiter beschritten werden.

Die Landesregierung hat dafür im Juni 2016 eine "Strategie zur Entwicklung der Aquakultur in Mecklenburg-Vorpommern" für die nächsten Jahre vorgelegt:

Strategie zur Entwicklung der Aquakultur in Mecklenburg-Vorpommern

Warum Aquakultur und warum in Mecklenburg-Vorpommern?

Mecklenburg-Vorpommern hat sich vorgenommen, die Kapazitäten der regionalen Aquakultur aus den folgenden Gründen zu erhöhen:

  • Der Fischkonsum steigt weltweit seit Jahrzehnten. Auch in Deutschland steigt der Konsum, wenn auch im Vergleich zu den weltweiten Steigerungsraten langsam.
  • Die Fänge in den Meeren bleiben konstant und bei einzelnen Fischarten sanken sie deutlich.
  • 88% der 1,3 Mio. Tonnen Fisch (Fanggewicht), die 2010 in Deutschland verzehrt wurden, werden importiert bzw. innerhalb der EU nach Deutschland verbracht.
  • Eine zunehmende Bedeutung für die Frischfischversorgung haben Importe über die Flughäfen. Im Jahr 2010 wurden bereits 17.285 Tonnen Frischfisch über deutsche Flughäfen eingeflogen, während Frostfisch fast ausschließlich auf dem Seeweg nach Deutschland kommt.
  • Wichtigste Importländer für Frischfisch waren 2010 Tansania, Südafrika, Sri Lanka und Island gefolgt von Kenia, Kanada und Uganda.
  • Der Kohlendioxidausstoß je kg Fisch beträgt:
    • für eingeflogenen Waren: 700 – 1000g CO2/1000 km
    • beim Transport per LKW: 100 – 200 g CO2/1000 km
    • beim Transport im Zug: 50 g CO2/1000 km
    • beim Schiffstransport: 18 g CO2/1000 km

Was ist dran an der Kritik der Aquakultur?

Wie wollen wir Fische produzieren? Wie kann das Tierwohl in der Aquakultur beachtet werden? Für die Beantwortung dieser Fragen ist es wichtig, sich mit den Kritiken der Aquakultur zu beschäftigen. Wir haben das versucht und uns mit einer nicht abschließenden Reihe von Kritiken auseinandergesetzt.

Um einen kg Fisch in Aquakultur aufzuziehen, werden 3 – 5 kg Wildfische benötigt.

Die meisten Fischarten fressen alles. Dennoch gibt es trotz aller Versuche bisher keine Möglichkeit, die für den Fischkonsum wichtigen Arten rein vegan zu ernähren.
Die Fischmehlproduktion unterliegt global starken Schwankungen. In den Jahren 2004 und 2005 wurden über 6 Mio Tonnen Fischmehl erzeugt – 2012 waren es 4,5 Mio Tonnen und 2013 4,6 Mio Tonnen Fischmehl. Dafür werden ca. 18 Mio Tonnen Rohware benötigt – ein Viertel davon besteht aus Schlachtabfällen.
Die Verwendung von Fischmehl für die Aquakultur ist rückläufig. Im Jahr 2010 wurden noch 73% der Weltproduktion an Fischmehl für die Aufzucht von Fischen, Shrimps und Krustentieren beansprucht – heute liegt dieser Anteil bei 68%. Gleichzeitig ist die Aquakulturproduktion in diesem Zeitraum um ca. 10 Mio Tonnen gestiegen (Dr. Manfred Klinghardt, FischMagazin 5/2014).
Ziel der Forschung ist eine weitere Senkung des Fischmehlanteils an der Fütterung in Aquakulturen.

Eier und Jungfische werden aus Wildbeständen entnommen und reduzieren so die natürlichen Reproduktionsmöglichkeiten.

Bei allen in Mecklenburg-Vorpommern in Aquakultur gehaltenen Fischarten erfolgt die Reproduktion inzwischen aus eigenen Beständen.
Ein wesentlicher Grund dafür ist u.a., dass Fische aus Wildbeständen für die Aufzucht besonders in Kreislaufanlagen weniger geeignet sind als domestizierte Fische.

Es kann nicht garantiert werden, dass durch die Aufzucht nicht heimischer Fischarten in Aquakulturen die wild lebenden Fische negativ beeinflusst werden – durch genetische Vermischung oder Nahrungskonkurrenten.

Der Schwerpunkt der Entwicklung der Aquakultur in M-V liegt in der Aufzucht vorwiegend heimischer Fischarten in Kreislaufanlagen in Gebäuden. Die Möglichkeiten des Entweichens der Fische sowie der Krankheitsübertragung sind ungleich geringer als zum Beispiel in einer Teichwirtschaft.
Die Verordnung (EG) Nr. 708/2007 schreibt außerdem die Kontrolle der Anlagen durch öffentliche Einrichtungen vor.

Aquakulturanlagen werden in ökologisch sensiblen Gebieten errichtet.

Kreislaufanlagen werden nur in Gewerbegebieten genehmigt. Die Errichtung von Teichen unterliegt einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

Es werden genetisch manipulierte Pflanzenbestandteile an Fische verfüttert.

Das ist in Deutschland nicht zulässig.

In der Aquakultur kommt es zu einem hohen präventiven Antibiotikaeinsatz.

Die Verordnung (EG) Nr. 37/2010 lässt für die Behandlung von erkrankten Fischen ein Antibiotikum zu. Das Antibiotikum darf nur durch einen Tierarzt verschrieben bzw. eingesetzt werden.
In geschlossenen Kreislaufanlagen ist der Einsatz von Antibiotika nicht möglich. Für die Reinigung des Wassers in der Anlage spielen Biofilter eine zentrale Rolle. Die Bakterien in diesen Biofiltern würden durch einen Antibiotikaeinsatz vernichtet werden. Ein Zusammenbruch der Produktion in der Aquakulturkreislaufanlage wäre die Folge.

Die Intensivhaltung in der Aquakultur macht die Fische anfällig für verschiedene Arten von Krankheiten und Parasitenbefall, was vor allem auf hohe Besatzdichten und ein stressgeschwächte Immunsystem zurückzuführen ist.

Krankheiten resultieren aus schlechten Lebensbedingungen. Zu geringe Fischdichten kann bei vielen Fischarten eher Stress erzeugen. Ziel ist es, geeignete Besatzdichten für die einzelnen Fischarten zu ermitteln.

In der Intensivhaltung kommt es zu einem Zuwachs an angeborenen Missbildungen.

Missbildungen werden in der Regel durch Fehler in der Ernährung der Fische verursacht.

Es kommt zu einer hohen Mortalität in Aquakulturen.

Die Mortalität in der Aquakulturhaltung liegt in jedem Fall sehr weit unterhalb der Mortalität in der Natur.
Ziel der Aquakultur in der Forschung und Praxis ist aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen eine sehr niedrige Mortalität.

Welchen Entwicklungsbedarf im Bereich der Aquakultur gibt es aus unserer Sicht?

  • Ermittlung der Wohlfühlfaktoren der unterschiedlichsten Fischarten
  • Entwicklung von Abfisch- und Transporttechniken zur Vermeidung von Stress bei Fischen
  • Weiterentwicklung von Sortiertechniken von der Brut bis zum Speisefisch mit der Zielsetzung der Stressvermeidung und der Kostenreduzierung
  • Ermittlung der besten Beckenformen, Strömungsverhältnisse und Besatzdichten für das Wohlbefinden der Fische
  • Immunstimulantien und Probiotika zur Stärkung der Immunabwehr
  • Adaptionsverfahren von Fischen aus Kreislaufanlagen zur Erhöhung der Überlebensfähigkeit in der Natur für Maßnahmen von Besatzprogrammen
  • Eignung und Weiterentwicklung von Wasserqualitätsmessverfahren
  • Entwicklung zur Mehrfachnutzung des Wassers z.B. in der Aquaponik und Entwicklung von Produkten aus den Abfallprodukten (Abwasser, Schlamm, Karkassen, Haut, Kopf etc.)
  • Produktentwicklung
  • Techniken zur Gewinnung, Verarbeitung und Produktentwicklung von Mikro- und Makroalgen
  • Entwicklung von Nullemmissionstechnologien in Gewässern
  • Ersatz bzw. Reduzierung von Fischmehl und –öl in Fischfuttermitteln
  • Techniken zum sicheren Einsatz von Oberflächenwasser in Kreislaufanlagen (Krankheitsvermeidung, Verhinderung der Aufnahme von Schwermetallen und Pestiziden)
  • Stickstoff- und Phosphor-Rückgewinnung aus dem abfließenden Wasser zur Reduzierung der Einleitungskosten in das öffentliche Versorgernetz oder in öffentliche Gewässer
  • Wasseraufbereitung durch Ozon, Denitrifizierung, Ultraschall u.a. Techniken mit dem Ziel der Reduzierung des Frischwasserbedarfs
  • Senkung der Investitionskosten von Kreislaufanlagen
  • Senkung der Betriebskosten von Kreislaufanlagen
  • Bau und Weiterentwicklung von mechanischen Filtern und Biofiltern mit dem Ziel der Platzeinsparung und der Reduzierung des Energiebedarfs
  • Erforschung des Einflusses der Wasserqualität auf den Fischgeschmack
  • Erforschung der biologischen Mechanismen im Biofilter in der Einlaufphase beim Start einer Kreislaufanlage
  • Erforschung und Weiterentwicklung der Aquaponik